Interkulturelle Kommunikation und Interaktion


Der DVJB e.V. und der Arbeitskreis SPFH lud im Stadthotel Deggendorf zum Seminar „interkulturelle Kommunikation und Interaktion“ ein.

sonet-dvjb-seminar2jpg
Ab 8:30 Uhr fanden sich alle Teilnehmer im großen Saal im Erdgeschoss ein. Für das leibliche Wohl wurde mit Häppchen, Kaffee, Tee und Erfrischungsgetränke gesorgt. So konnte jeder noch sein Frühstück nachholen.

Vorstellung des DVJB e.V.

sonet-dvjb-seminar3jpg
Um 9 Uhr begann das Seminar und zuerst wurde der DVJB e.V. (Dachverband der Kinder- und Jugendhilfe Ostbayern e.V.) vorgestellt. Der Dachverband entstand während und durch die Corona-Einschränkungen. Die Mitglieder nutzten die Krise als Chance und schlossen sich zusammen, da man miteinander stärker ist als gegeneinander. In mehreren Treffen haben sich die Mitglieder zur Qualitätssicherung der Jugendhilfe auf einheitliche Standards geeinigt. Diese Standards beinhalten sowohl den Umgang mit den Mitarbeitern als auch den Umgang mit den Fällen.

Anschließend übernahm Herr Dr. Stefan Schmid und begann mit seinem Vortrag über „Kultursensibles Handeln“.

sonet-dvjb-seminar4jpg
Durch Gedankenexperimente und lebensnahe Darstellungen konnten sich die Teilnehmer des Seminars in die Lage von Migrationsfamilien und in die mit einer Flucht verbundene Gefühle hineinversetzen. Wir begannen mit einer Gedanklichen Flucht aus Europa aufgrund extremen Kälte in das dann noch etwas wärmere Afrika. Dabei stieß man bei und nach der Flucht auf bürokratische, soziale und persönliche Herausforderungen. Bei dem 3 Säulen Modell von Liedl & Abdallah-Steinkopf wurde sichtbar, dass einige Herausforderungen typisch für Migration sind und unabhängig von der Kultur sind.

sonet-dvjb-seminar5jpg
Anschließend wurden besprochen, dass es durch verschiedene Erwartungen, Erfahrungen und Aufgabenverteilungen zu kulturellen Missverständnissen kommen kann. Es wurden verschiedene kulturelle Konzepte (z.B. Individualismus und Kollektivismus) gegenüber gestellt um zu veranschaulichen, wodurch es zu Missverständnissen kommt.

Als möglicher kultursensibler Umgang in der Beratung wurde das kulturelle Pendel vorgestellt. Bei diesem Modell erfragt man zuerst die Erwartungen des Gegenübers, Erläutert anschließend die eigenen Erwartungen und was das Verhalten des Gegenübers für Auswirkungen hat. Anschließend fragt man nach möglichen Annäherungen und sucht gemeinsam einen Kompromiss.

Mögliche Besonderheiten bei der Zusammenarbeit mit Personen aus anderen Kulturen:

  • In manchen Kulturen werden Dinge, die persönlich angesprochen werden als wichtiger erachtet, als Briefe

  • In manchen Kulturen sind Frauen für das Innere (Familie, nicht in der Öffentlichkeit) und die Männer für Außen (Gespräche mit Schule, Kindergarten, Representation in der Öffentlichkeit) zuständig

  • In manchen Kulturen ist der persönliche Kontakt wichtiger als Fakten (z.B. in Ämtern regelt man in anderen Kulturen alle Angelegenheiten mit derselben Person und es ist nicht zwingend nach Aufgabengebiete unterteilt)

  • In manchen Kulturen werden Dinge, bei denen man viel Freiraum hat nicht als verbindlich betrachtet, es wird erwartet, dass von Machtpersonen genau gefordert wird was benötigt wird und Personen mit Macht in der Holschuld sind

Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Café Extra. Gab es nochmal eine Aufgabe zum mitdenken und mitmachen.

Bei dem Gedankenexperiment sind wir mit unsere Familie in den mittleren Westen in der USA gezogen. Eines unsere Kinder sollte einen Schauflug mit der Klasse machen, bei dem auf die Jagd gegangen wird. Das andere Kind sollte einen Aufsatz über die Vorzüge der Todesstrafe schreiben.

Die Fragen, die wir in Kleingruppen dazu diskutieren sollten waren: Wie würden Sie damit umgehen? Wovon würde ihre Unterscheidung abhängen? Was würden Sie sich von Seiten der Lehrkraft wünschen, was würde Ihnen helfen?

sonet-dvjb-seminar6jpg
Nach einer regen Diskussion über die Fragen, ging ein informativer, spannender und unterhaltsamer Tag zu Ende. Alles in Allem war dies eine gelungenes erstes Seminar vom DVJB und wir freuen uns über viele weitere solcher Veranstaltungen, die sicher noch kommen.




Autor: Andrea Bielmeier