aufsuchende Familientherapie (AFT)


Beschreibung der Hilfeart:
Aufsuchende Familientherapie, kurz AFT, ist eine Leistung nach dem SGB VIII und kann beim zuständigen Jugendamt beantragt werden. Wenn dieses den Bedarf bzw. die Notwendigkeit feststellt, werden hierfür die Kosten übernommen.
Die Aufsuchende Familientherapie ist ein niederschwelliges therapeutisches Angebot. Das heißt die Therapiesitzungen finden meist in der Wohnung der Familie statt. Außerdem lässt sich die AFT so auf den gewohnten Sozialraum der Familie ein, was bei den Klienten ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit erzeugt. Sie orientiert sich am Alltag der Familie und das berücksichtig das sprachliche Ausdrucksvermögen der Familienmitglieder. Es werden jedoch auch Sitzungen in den Räumlichkeiten von SoNet angeboten, um ggf. ein anderes und zielgerichtetes Setting zu haben, was manchmal im häuslichen Setting nicht zu schaffen ist. Sie richtet an Familien, welche ihre Probleme und Konflikte therapeutisch angehen wollen bzw. die sich in akuten oder chronischen Krisen befinden. AFT kann sowohl der Prävention dienen, um Verschärfung von Alltagssituationen bzw. Eskalationen zu verhindern, aber auch als Krisenintervention, bei Familien, bei denen sich Konflikte oder ungute Kommunikations- und Interaktionsmuster manifestiert haben oder offen ausgebrochen sind. Eine drohende Auflösung des Familiensystems aufgrund einer beabsichtigten Unterbringung eines oder mehrerer Familienmitglieder in stationären Heimen, in psychiatrischen Kliniken oder Kriseneinrichtungen, immer wiederkehrende Eskalationen von problematischen Familiensituationen sowie erstmalig auftretende spezielle Problemlagen, die das Familiensystem gefährden, können außerdem Indikationen für eine Familientherapie sein.


Methodisches Vorgehen:
In den Gesprächen wird auf systemischer Grundlage unter Berücksichtigung der
Mehrgenerationenperspektive und der unterschiedlichen Sichtweisen zum Problem an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet, die die Familienmitglieder selbstständig in ihrem Alltag umsetzen können. Möglichst sind bei den Sitzungen alle Familienmitglieder dabei. Bei Bedarf sind aber auch Stunden mit Teilen der Familie möglich. Ziel der aufsuchenden Familientherapie ist es, die Selbsthilfekräfte der Familie zu aktivieren und die vorhandenen Ressourcen bei der Problembewältigung. Durch den aufsuchenden Charakter können auch Familien erreicht werden, bei denen sonst eine Hemmung besteht aktiv eine Therapie außerhalb ihres Umfeldes aufzusuchen.
Die Arbeit mit den Familien soll Kindern und Jugendlichen ein entwicklungsförderndes Umfeld gewährleisten. Das einseitige Fokussieren auf die Auffälligkeiten des Kindes / der Kinder wird in der AFT vermieden. Sowohl die Familiendynamiken und die Beziehungsgestaltung aller Familienmitglieder als auch der soziokulturelle Kontext der Familie werden in der Beratung bzw. Therapie berücksichtigt. In der Aufsuchenden Familientherapie finden die aktuellen Fähigkeiten und Kompetenzen der Familie große Beachtung. Dieser ressourcenorientierte Blick ist die Basis für einen gelingenden therapeutischen Prozess.


Ziel:
Die Aufsuchende Familientherapie zielt darauf ab, vorhandene Kompetenzen zu erweitern und alternative Möglichkeiten der Kommunikation und der Konfliktlösung zu entwickeln. Weiterhin werden die Familienmitglieder in ihrer Eigenverantwortlichkeit und Individuation gefördert und bei der Entwicklung selbstverantwortlicher Zukunftsperspektiven unterstützt. Bei drohender Fremdunterbringung oder Rückführung eines Kindes wird die Familie in ihrer Entscheidungsfindung begleitet.


Ablauf/Rahmenbedingungen:
Die Termine für die Sitzungen (in der Regel 12 Stück) werden mit jeder Familie individuell vereinbart. Normalerweise finden die Termine 14-tägig statt. Die tatsächliche Dauer und der Umfang der AFT richten sich nach dem Verlauf des Therapieprozesses, wobei maximal 12 Therapieeinheiten à 2 Stunden angedacht sind. Eine Verlängerung muss mit dem jeweiligen Kostenträger besprochen werden. AFT wird beendet, wenn die gemeinsam vereinbarten Therapieziele erreicht sind. In den Fällen, bei denen ersichtlich ist, dass eine andere Art der Hilfe angezeigt ist bzw. bei Familien, die sich auf diese Form der Hilfe nicht einlassen können, ist eine frühzeitige Beendigung des Beratungsangebotes sinnvoll.


Mögliche Anlässe/ Inhalte für eine AFT können z.B. sein:
 Erziehungsprobleme
 Verhaltensauffälligkeiten
 Schulische Probleme
 Partnerkonflikte
 Krisen durch besondere familiäre Ereignisse (Trennung, Tod, Missbrauchserfahrungen, etc.)
 Psychische und körperliche Erkrankungen, die das gesamte Familiensystem belasten
 Gewalt in der Familie